More Languages

English Nederlands Francais Espagnol italiano portuguese norwegian japanese svenska polski russian chinese dansk korean turkish eesti arabic suomi

Werdet Fan!

Zuletzt aktualisiert:

Installationsansicht in der Kestnergesellschaft

© Jelca Kolltasch

Ausstellungen

Wo Kunst geschehen kann – Die frühen Jahre des CalArts

Die umfassende Gruppenausstellung in der Kestnergesellschaft präsentiert noch bis zum 10. November die legendären Gründungsjahre (1970-1980) der amerikanischen Kunsthochschule "California Institute of the Arts" (CalArts), die zahlreiche bekannte Künstlerinnen und Künstler hervorgebracht hat.

Die Ausstellung in der Kestnergesellschaft widmet sich den ersten zehn Jahren der Kunsthochschule und führt erstmalig die dort vertretenen Lehrkonzepte mit den daraus entwickelten künstlerischen Praktiken in einer Gruppenschau zusammen. Gezeigt werden ca. 100 Werke von rund 40 Künstlern, darunter Arbeiten, die zum ersten Mal einer Öffentlichkeit präsentiert werden. Die historisch angelegte Ausstellung zeichnet verschiedene Situationen nach, in denen Kunst entstehen kann. Ganz im Sinne von John Baldessari, der als einer der prägenden Lehrer die Auffassung verfolgte, dass Kunst nicht lehrbar sei, sondern es darum ginge, Situationen zu schaffen "where art might happen", wie er 1992 in einem Interview äußerte. Beleuchtet werden unter anderem Schlüsselfiguren wie Allan Kaprow, John Baldessari sowie Judy Chicago und Miriam Schapiro und ihre tragenden Ideen des Fluxus, der Konzeptkunst und feministischer Kunst.

Lehrmethoden und künstlerische Praktiken

Neben Kunstwerken und wissenschaftlich aufbereitetem Archivmaterial wurden eigens für die Ausstellung Oral-History-Interviews mit 13 Künstlern des CalArts gefilmt, die als Zeitzeugen individuelle Einblicke auf die damalige Situation geben. Auf diese Weise werden erstmals die Lehrmethoden, der historische Kontext und die interdisziplinären Zusammenhänge zwischen den künstlerischen Praktiken in einer Ausstellung sichtbar. Den Zeitgeist der 1970er Jahre vermitteln auch Erzählungen von legendären Pool-Partys, Lehrveranstaltungen wie "Advanced Drug Research" und dem Verzicht auf Noten und Lehrpläne im Schulalltag. Darüber hinaus legen die Interviews die Spannbreite persönlicher und zwischenmenschlicher Details offen.

Kunsthistorische Rezeption

Die kunsthistorische Rezeption des CalArts fiel bislang verhältnismäßig einseitig aus. So fehlte bisher der umfängliche Blick auf die parallel existierenden Strömungen. Die Besonderheit der Ausstellung in der Kestner Gesellschaft liegt darin, die unterschiedlichen Ansätze aus den Bereichen Konzeptkunst, feministische Kunst, Fluxus und Malerei, die es am CalArts zur gleichen Zeit gegeben hat, zu vereinen und dadurch neu zu verorten. John Baldessaris legendäre Post-Studio-Klasse war primär durch konzeptuelle Ansätze und den Einsatz von neuester Technik wie Super-8-Kameras, Portapaks (die erste batteriebetriebene, mobile Filmkamera) und Fotoapparaten geprägt. Baldessaris Lehre brachte eine erste Generation von Schülern hervor, die in kürzester Zeit internationale Bekanntheit erlangte – darunter beispielsweise Barbara Bloom, Troy Brauntuch, Jack Goldstein, Matt Mullican, David Salle oder James Welling. In einem Klima absoluter künstlerischer Freiheit etablierte sich mit Lehrenden wie Michael Asher und Douglas Huebler, Stephen Prina und Christopher Williams eine zweite Post-Studio-Generation, die eine rigidere Form der Konzeptkunst verfolgt. Die Frage nach der bildnerischen Repräsentation im medialen Bilderfluss ist innerhalb der unterschiedlichen künstlerischen Ansätze ein Leitmotiv.

Die Rolle der Frau in der Gesellschaft

Ein weiterer Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf dem von Judy Chicago und Miriam Schapiro 1971 gegründeten "Feminist Art Program" (FAP). In unterschiedlichen Herangehensweisen und Medien fokussieren sich die feministischen Künstlerinnen am CalArts auf die Rolle der Frau in der Gesellschaft, ihre Rechte oder ihre mediale Repräsentation, die Auseinandersetzung mit dem Körper sowie die Suche nach einer weiblichen Perspektive. Diese Suche fand nicht zuletzt in den sogenannten "ConsciousnessRaising Sessions" statt – es handelte sich um Begegnungsgruppen, in denen die persönlichen Erfahrungen der Frauen wie zum Beispiel sexueller Missbrauch und strukturelle Unterdrückung sichtbar gemacht wurden und als Grundlage für künstlerische Arbeiten dienten. Das in diesem Zusammenhang entstandene "Womanhouse" stellt einen Meilenstein in der feministischen Kunstgeschichte dar: 27 Künstlerinnen – darunter Mira Schor und Faith Wilding – bauten ein zum Abriss bereites Haus zu einem temporären Environment um, das im Februar 1972 der Öffentlichkeit präsentiert wurde. metaLAB (at) Harvard entwirft ein experimentelles Display, das "Womanhouse" in der Ausstellung repräsentiert. Darüber hinaus werden Arbeiten von Susanne Lacy und der deutschen Künstlerin Ulrike Rosenbach gezeigt. Verschiedene Ausdrucksformen wie konkrete Poesie, Happening und Performance standen im Zentrum der pädagogischen und künstlerischen Aktivitäten von Dozenten aus dem Umfeld des Fluxus wie Allan Kaprow, Simone Forti, Alison Knowles oder Emmett Williams.

Termin(e): 30.08.2019 bis 10.11.2019
dienstags  mittwochs  freitags  samstags  sonntags 
von 11:00 bis 18:00 Uhr
30.08.2019 bis 10.11.2019
donnerstags 
von 11:00 bis 20:00 Uhr
Ort

Kestnergesellschaft

  • Goseriede 11
  • 30159 Hannover
Preise:
Eintritt 7,00 Euro
ermäßigt 5,00 Euro
Freitags frei