Die Geschichte der Herrenhäuser Gärten reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Aus einer welfischen Sommerresidenz entwickelte sich in Herrenhausen ein Ensemble verschiedener Gartenanlagen. Sein historisches Kernstück ist der Große Garten, der zu den bedeutendsten Barockgärten Europas zählt.
Die Entwicklung Herrenhausens zur höfischen Sommerresidenz begann im 17. Jahrhundert. Bereits 1655 ließ Johann Friedrich von Calenberg in Herrenhausen ein Schloss mit einem ersten Lustgarten errichten. Ab 1675 wurde das ländliche Gut zur Sommerresidenz mit einem größeren Lustgarten ausgebaut.
Seine entscheidende Entwicklung erlebte der Große Garten unter Herzog Ernst August und seiner Gemahlin Sophie von der Pfalz. Sophie ließ den Garten Ende des 17. Jahrhunderts nach französischem Vorbild gestalten und machte ihn zu ihrem Lebenswerk.
Unter der Leitung des Gärtners Martin Charbonnier entstand bis 1714 der Große Garten in seiner heutigen Form und Größe.
Der Große Garten verbindet geometrisch angelegte Gartenbereiche mit Wasserspielen, Fontänen, Skulpturen und historischen Gebäuden. Zu seinen historischen Elementen gehören unter anderem das Große Parterre, das Gartentheater, die Große Fontäne, die Kaskade, die Grotte, das Galeriegebäude und die Orangerie.
Das Gartentheater entstand zwischen 1689 und 1692. Um 1690 ließ Kurfürst Ernst August vergoldete Figuren zu seiner Ausstattung aufstellen.
Der Große Garten blieb in seiner barocken Grundstruktur weitgehend erhalten und gilt heute als historisches Kernstück der Herrenhäuser Gärten.
Die Grotte im Großen Garten wurde 1676 erbaut und gehört damit zu den frühen erhaltenen Elementen der Anlage.
Jahrhunderte später erhielt sie eine neue künstlerische Gestaltung: Niki de Saint Phalle gestaltete die historischen Räume mit farbigem Glas, Spiegeln, Kieseln und plastischen Figuren neu. 2003 wurde die neugestaltete Grotte wiedereröffnet.
Damit verbindet die Grotte heute die Geschichte des barocken Gartens mit zeitgenössischer Kunst.
Das Schloss Herrenhausen diente der Welfenfamilie über Jahrhunderte als Sommerresidenz. Der ursprünglich barocke und in mehreren Bauabschnitten entstandene Schlossbau erhielt zwischen 1819 und 1821 durch Hofbaumeister Georg Ludwig Friedrich Laves eine klassizistische Gestaltung.
1943 wurde das Schloss bei einem Bombenangriff zerstört. Grotte, Große Kaskade und Freitreppe blieben erhalten.
Von 2010 bis 2013 ließ die VolkswagenStiftung das Schloss Herrenhausen wieder errichten. Es entstand an der Stelle des zerstörten Vorgängerbaus; dabei wurde die klassizistische Fassade von Laves rekonstruiert.
Heute befinden sich im Schloss ein modernes Tagungszentrum und das Museum Schloss Herrenhausen. Das Museum wurde im Mai 2013 eröffnet.
Auch die Geschichte des Berggartens reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Seine Entwicklung begann als Nutz- beziehungsweise Küchengarten der welfischen Sommerresidenz. Zunächst standen Obst und Gemüse im Mittelpunkt.
Mit der Zeit veränderte sich seine Funktion. Neue und exotische Pflanzen kamen hinzu, und aus dem Nutzgarten entwickelte sich ein botanischer Garten.
Heute wachsen im Berggarten über 12.000 Pflanzenarten. Zu seinen Sammlungen gehört eine der größten Orchideensammlungen der Welt.
Ein bedeutendes historisches Bauwerk im Berggarten ist das Mausoleum. Es entstand zwischen 1842 und 1847 nach Plänen des hannoverschen Hofbaumeisters Georg Ludwig Friedrich Laves für Königin Friederike und König Ernst August.
Später wurden weitere Angehörige des Welfenhauses hierher überführt. Dazu gehören Kurfürstin Sophie und Georg I., König von Großbritannien.
Der Georgengarten unterscheidet sich deutlich vom geometrischen Barockgarten. Seine Geschichte führt zunächst zu verschiedenen Landsitzen des Hofadels, die ab 1700 im ehemaligen Überschwemmungsgebiet der Leine entstanden.
Ab 1768 fasste Graf Johann Ludwig von Wallmoden-Gimborn mehrere dieser Gärten zum Wallmodengarten zusammen. Zwischen 1835 und 1841 gestaltete Christian Schaumburg die Anlage zu einem Landschaftspark nach englischem Vorbild um.
Der Garten erhielt zu Ehren Georgs IV. den Namen Georgengarten. Auch das Wallmodenschloss wurde umbenannt und heißt seitdem Georgenpalais.
Durch den Georgengarten führt die fast zwei Kilometer lange Herrenhäuser Allee. Sie wurde 1726 angelegt und bildet eine historische Verbindung in Richtung Herrenhausen.
Nach schweren Schäden im Zweiten Weltkrieg wurde die Allee Anfang der 1970er-Jahre durch die Pflanzung von rund 1.300 Kaiserlinden vollständig erneuert.