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Campingplätze

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Aktiv am Wasser

Würmsee

Der Würmsee in Kleinburgwedel lädt zum entspannten Spaziergang auf dem Erlebnispfad mit seinen acht LandArt-Stationen ein.

Da steckt Dynamik drin, der See wird einfach nicht langweilig.“ Das sagen Gäste, die am Ufer des kleinen, im Norden der Region Hannover gelegenen Sees entlang gehen. Es ist der Würmsee bei Kleinburgwedel, der jetzt in Corona-Zeiten zum entspannten Gang durch Grün und Blau einlädt. Hier finden sie frische Luft, beobachten den Flug der Libellen, hören den Ruf der Kreuzkröte – und können mit dem virusbedingten Mindestabstand zu zweit nebeneinander gehen. Acht Stationen des Erlebnispfades bieten dazu beste Abwechslung.
Wellenliegen, Holzsteg und Badefiguren – Rückgriff auf die 20er-Jahre.

Tourismustradition in Kleinburgwedel

Die Tourismustradition des Sees mit seinen Goldenen 1920er-Jahre wird an der ersten Station aufgegriffen. Da laden zwei Wellenliegen auf einem Holzsteg zur Rast mit Seeblick ein. Modisch gekleidete Figuren in Originalgröße warten am Geländer. Zur Badenixe mit Sonnenhut gesellt sich ein Mann mit Fotoapparat, der natürlich nur den See ins Visier nimmt. Badebereite Jugendliche blicken in die Ferne. Ins vorderste Brett am Steg direkt vor dem Wasser ist in hellblau graviert: „Urlaubsgrüße vom Würmsee.“ Der ideale Selfie-Punkt. Auch daran ist gedacht.
Eine Zeitzeugin erinnert sich mit einem breiten Schmunzeln an jene Würmseetage: „Wir saßen oft paarweise etwas abseits vom See hinter den Büschen und ,verlobten uns‘, so nannte man das damals.“ Heutzutage wäre Schwimmen und erst recht das Bootsfahren unvereinbar mit dem Schutz der sehr artenreichen und vielfältigen Vogelwelt.

Gäste pumpen selbst Wasser

Die Besucher werden selbst aktiv: An einer Station können sie aus drei farblich unterschiedlichen Schwengelpumpen selbst Wasser pumpen. Es rinnt aus einer Wolke als Regenwasser vom Himmel hinab, es läuft als oberflächennahes Grundwasser auf natürliche Weise in den See oder es kommt aus dem Wasserhahn. „So können alle selbst Hand anlegen oder sich die Füße nassmachen, das verbindet mehr mit dem See als wenn dort nur Schilder stünden“, beschreibt Frank Nordiek einen Teil des Konzepts. Er hat zusammen mit Wolfgang Buntrock vom Atelier LandArt in Hannover den Erlebnispfad geschaffen.
Der schwankende Wasserstand spielt an einer anderen Station eine wichtige Rolle. Die beiden Landschaftskünstler konzipierten mit terrassierten Lochgittern am Ufer eine Weltneuheit – den begehbaren Pegel. Dort lässt sich nicht nur die aktuelle Wasserhöhe auf Tafeln ablesen, sondern auf dem Gitter auch barfuß ins Wasser gehen oder im Trockenen stehen.

Wetterextreme wie unter dem Vergrößerungsglas zu sehen

Der wechselnde  Wasserstand hat neben den geschilderten Nachteilen aber auch sein Gutes: Das, was vor einem halben Jahr bei Trockenheit ein Kritikpunkt war, das fehlende Wasser, das hat sich jetzt bei hohem Wasserstand nach viel Regen im März 2020 in ein positives Naturschauspiel gewandelt. „Wie unter einem Vergrößerungsglas beobachten wir am Würmsee die sich immer stärker ausprägenden Extreme unseres Wetters“, betont Wolfgang Buntrock und fügt hinzu: „Es ist derzeit traumhaft am See! Mit dem hohen Wasserstand ist das ein ganz anderes Erlebnis.“

Wie alles begann

2016 begann die Revitalisierung des Sees. Gehölz wurde entnommen, Schlamm beseitigt. Die Erlebbarkeit des Sees sollte wieder gewährleistet werden. Erklärtes Ziel war auch, über den See, seine Geschichte und seine Tierwelt direkt am Ufer zu informieren.
Die in einem Gutachten befragten Besucher äußerten klare Bedürfnisse: Sie wollten eine Runde um den See gehen, die Natur beobachten, Kaffee trinken und ein bis zwei Stunden am See verbringen. Sie lieben den Wechsel von Wald und Wasser, Seerosen, das Froschkonzert, die Schlichtheit und gute Luft. Während es früher einen Bootsverleih gab und selbst Schwimmen erlaubt war, geht beides schon lange nicht mehr. Der stark schwankende Wasserpegel führt in dem einen Jahr zu einer großen Schlammfläche, das andere Jahr steht das Wasser einen halben Meter hoch.

Drei „Torffresser“ machen neugierig

Nicht weit von dem begehbaren Pegel entfernt wird durch drei rote Stahltiere an die moorige Vergangenheit erinnert. Das sind die „Torffresser“. Sie stehen bei höherem Grundwasserpegel mit ihren Füßen in Moorresten eines Feuchtbiotops, der nicht betreten werden darf. Aber die rund drei Meter hohen Aufsehen erregenden Skulpturen sind aufgrund ihrer roten Farbe vom Weg aus gut zu erkennen. Die zu Beginn der Planungen noch kontrovers diskutierte Farbe wurde schließlich akzeptiert. „Wir fanden dort zufällig eine Eichel, die nahezu die gleiche rote Farbe aufwies“, erinnert sich Frank Nordiek.

Wasserfauna als Stahlmodelle am Boot zu sehen

Über die Vogelwelt lagen immer ausreichende Beobachtungen vor. Anders hingegen bei der Wasserfauna. Um hier nicht mit Allgemeinplätzen arbeiten zu müssen, wurde eine kleine Kartierung mit einer Expertin der Unteren Wasserbehörde vorgenommen. Einige der festgestellten Arten werden in einer weiteren Station dokumentiert. Den Landschaftskünstlern fiel auch dazu das Passende ein: Am Ende eines aus seitlich versetzten Bohlen gebauten Stegs dümpelt ein Boot im Wasser. Dort angeschweißt sind Stahlmodelle von Eintagsfliege, Wasserskorpion, Gelbrandkäfer oder Mückenlarve. Auch das hat hohen Erlebniswert. Zumal sich vom Steg aus grandios in die Abendsonne blinzeln lässt. Mit etwas Glück schwebt noch ein Eisvogel durchs Bild. Pirole, die feuchte Weichholzauen lieben, finden in der Nähe auch Unterschlupf. Ein imposantes Schauspiel bei niedrigem Wasserstand sind die zahlreichen Graureiher, denen das Futter in Form der zahlreichen Fische wie auf einem goldenen Tablett serviert werden.
Von einer Bank auf der anderen Seeseite lässt sich hingegen die Morgensonne anschauen, mehr noch: Die von dort sichtbare waldreiche Vogelinsel schmückt den Würmsee. Der Blick fällt zudem auf drei hochstelzige Behausungen, die die Künstler in die Uferzone gebaut haben. Wer mag in den sieben Meter hohen Nestern wohnen? „Das überlassen wir voll der Fantasie der Betrachter“, erläutert Frank Nordiek. „Sicher ist nur: Es gibt mehr um uns herum, als wir sehen oder hören können.“

Auf einer Bank im Gespräch mit den Tieren

Eindrucksvoll ist auch eine andere Station. Dort sitzen (als Stahlfiguren) Fuchs und Feldhase neben einem auf der Bank. Der Blick fällt auch auf Reiher, Kröte und Eisvogel. Thema ist die Frage: Was brauche ich für mein Leben? Der Mensch: weniger, als er glaubt. Das Tier: mehr, als es hat. So kann sich jede und jeder selbst fragen: Wie sieht mein ökologischer Fußabdruck aus? Was lässt sich in meinem Alltag verändern? Wie tragen meine Gewohnheiten dazu bei, dass alles so bleibt? Soll es so bleiben? Was bleibt?